Welche physiologischen Anpassungen entstehen durch Elektromuskelstimulationstraining im Vergleich zum herkömmlichen Training?

Welche physiologischen Anpassungen entstehen durch EMS-Training

Um diese Frage zu beantworten muss man sich erst vor Augen führen, wie ein Elektromuskelstimulationstraining die natürliche Kontraktion der Muskulatur beeinflusst. Im Anschluss kann man die Ergebnisse der vielen wissenschaftlichen Studien betrachten, die zum Thema EMS Sport durchgeführt wurden.

Anders als bei willkürlichen Kontraktionen, kommt es durch die elektrische Anspannung des Körpers zu einem zufälligen Rekrutierungsmuster. Das bedeutet, dass Muskeln unabhängig vom Muskelfasertyp angespannt werden. Das heißt auch, dass schon bei leichten Stimulationen die schnell zuckenden Fasern (Typ-II) aktiviert werden, die sonst nur während sehr hoher gewollter Anstrengungen genutzt werden. Dadurch erklärt sich unter anderem, warum ein Training mit EMS Systemen bei Patienten mit Atrophie oder auch Senioren so effektiv ist.

Der Verlust an Muskelmasse durch Atrophie ist zu einem Großteil auf einen Rückgang von Typ-II-Fasern zurückzuführen. Das herkömmliche Training dieser Fasern ist besonders problembehaftet, da diese Fasern erst bei sehr hohen Belastungen und auch nur für kurze Zeit hinzugezogen werden. Für muskulär beeinträchtigte Personen ist es demnach sehr schwierig eine (Typ-II-)Atrophie durch willentliche Anspannungen zu rehabilitieren. Hier ist ein EMS Training effektiver.

Einige Studien konnten sogar zeigen, dass durch eine elektrische Stimulation mit entsprechendem Reizmuster hauptsächlich Typ-II-Fasern innerviert werden. Dies stellt vor allem im Leistungs- und Rehabilitationssport einen deutlichen Vorteil gegenüber herkömmlichen Methoden dar. Das Elektromuskelstimulationstraining ist deswegen auch besonders bei Leistungssportlern, die aufgrund ihres langjährigen Trainings ein Plateau erreicht haben, dazu geeignet das Training sinnvoll zu ergänzen und erneut Fortschritte zu erzielen.

Ein weiterer zentraler Unterschied zur willentlichen Anspannung ist, dass ein deutlich größerer Anteil des Muskels an der Kontraktion beteiligt ist. Während der Umfang der willkürlichen Anspannung von vielen individuellen Faktoren abhängig ist, wird bei der elektrischen Stimulation ungefähr 90% des entsprechenden Muskels kontrahiert. Zudem sind die Auswirkungen der zentralen Ermüdung (des Willens) während des Elektromuskelstimulationstrainings zu vernachlässigen, da der Muskel nicht willentlich angesteuert werden muss. Es muss lediglich die Zielbewegung durchgeführt werden. Dadurch sind deutlich längere Belastungszeiten im intensiven Bereich möglich, was sowohl für Leistungssportler, als auch für Hobby-Sportler und Patienten interessant ist.

Nach einem ca. 8-wöchigen Training passt sich die Aktivierbarkeit der Muskulatur auf entscheidende Art und Weise an. Es kann eine Zunahme der physiologischen elektrischen Aktivität (ohne Stimulation) innerhalb der Muskulatur um bis zu +70% entstehen. Dies weißt eindeutig auf neuronale Anpassungen (des Nervensystems) hin, was auch ein Hauptgrund für die frühzeitigen positiven Veränderungen nach nur wenigen Einheiten Elektromuskelstimulationstraining darstellt. Nach einem 6-wöchigen Interventionszeitraum konnten außerdem signifikante Ökonomisierungsprozesse (weniger Energieverbrauch bei gleicher erbrachter Leistung) gemessen werden, was zudem auf eine Anpassung der Peripherie (v.a. der Muskulatur) schließen lässt.

Die Kombination aus den genannten Unterschieden stellt einen deutlichen Vorteil des Elektromuskelstimulationstrainings gegenüber dem herkömmlichen Training dar.

Tags:
Zurück